Skip to content


50 Jahre “Sachverständigen”ohnmacht

Wie man Mittelständler und Volkswirtschaften ruinieren kann

Seit diesem 14. August können es auch unsere „Experten“ nicht mehr zerreden: Die Konjunktur zieht wieder an im Euroraum. Es verhallt das – überwiegend neoliberale – Interessentengekreisch der letzten Monate, die den Erfolg der Euro-Rettung mit immer neuen, überwiegend dubiosen „Anlage“tips öffentlich in Zweifel ziehen. Zuende ist die 2008/09 von der Allmacht unkontrollierter, angelsächselnder „Finanzmärkte“ ausgelöste Weltkrise auch in Europa noch nicht. Überwunden wird sie aber, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble ein- über das andere Mal wiederholt. Der Euro wird als Sieger aus dieser Krise hervorgehen (siehe: EURACTIV.de, 14.8.13).
Die Feinde der Europawährung, denen jedwedes Hineinreden der „Politik“ in die nur profitbetonte Marktwillkür zuwider ist, scheitern mit ihrer Parole des „weniger Europa“. Für den Beobachter anregend ist es, dass die konjunkturpolitische Euro-Wende ausgerechnet am 14. August manifest geworden ist. Am gleichen Tag vor 50 Jahren hatte in Deutschland der „Sachversändigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwiclung“ 1963 das Licht der Welt erblickt.

Adenauer und Erhard im Konflikt

Deutschlands Gründungskanzler Konrad Adenauer soll seinem Wirtschaftsminister Ludwig Erhard vergebens geraten haben, sich nicht „diese Laus in den Pelz zu setzen“. 1964 bereits bekannten die fünf Experten – offiziell:“Man kann nicht erwarten, dass irgendjemand in der Lage ist, die künftige Wirtschaftsentwicklung vorherzusehen.“ Wie wahr! Der Bonner SPD-Spitzenmann Hans-Jürgen Wischnewski (1922-2005) bekannte im privaten Gespräch:“Wenn ich mir
so anhöre, was unsere Konjunkturpropheten verkünden, dann halte ich meine Aussenpolitik für eine exakte Wissenschaft.“

Ihre Totalpleite erlebte die Prognostikergilde zu Beginn der Weltkrise 2008/9. Dem ursprünglichen Konzept für den „Sachverständigenrat“ hatte ja die „Globalsteuerung“ durch staatliche Massnahmen zugrunde gelegen – die gezielte Beeinflussung des Wirtschaftsgeschehens z.B. durch steuerpolitische Entscheidungen. Daraus machten Amerikas und Englands Neolibs – Präsident Ronald Reagan, Premierministerin Margaret Thatcher – ab 1983 die quasi-gesetzlose „Deregulierung“. Und wurden weltweit nachgeäfft.

Wie komplett illusorisch seitdem Voraussagen waren, zeigte sich 2009. Noch zwei Monate nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, die den Deutschen den grössten Wirtschaftsabsturz der Nachkriegszeit bescherte, verkündeten die Sachverständigen: „Extreme Szenarien“ seien für Deutschland „auszuschliessen“.

Schlimm, dass den – natürlich „irrtumsfähigen“ – Wissenschaftlern zahllose Wichtigtuer und Prognosehändler nacheifern. Täglich, in schrillstmöglicher Tonlage. Niemand kann errechnen, wieviele Milliarden nicht investiert, wieviele Millionen Jobs nie geschaffen wurden, weil das publizistische Tagesgeschäft der ökonomischen „Dönchen“-Erzähler massenweise Mittelständler vom Wagnis des Investierens abschreckte.

Ludwig Erhard sah die Ökonomie als angewandte Psychologie: „Vor einem Hauptbahnhof verkauften Zweie ihre Siedewürstchen. Der eine erwartete gute Geschäfte, mietete sich eine Bude mit 3 Tischen und 9 Stühlen, bot Würstchen an und anderes. Der andere fürchtete den nächsten Konjunktureinbruch. Der schleppt noch immer seinen Bauchladen. Nr. 1 aber ist mittlerweile ein wohlhabender Mann.“ Weil er sich von Konjunkturschwätzern nicht entmutigen liess. Die sind gemeingefährlich. Sie helfen, wohl überwiegend ungewollt, beim Ruinieren von Mittelständlern und Volkswirtschaften.

Posted in Allgemein, Elite ist Dienen+Führen, Stabilität heisst "Sozialer" Markt, Tacheles.


0 Responses

Stay in touch with the conversation, subscribe to the RSS feed for comments on this post.



Some HTML is OK

or, reply to this post via trackback.