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Ermahnungen aus der $-Intensivstation – Europa soll es besser haben

Mit Europas „Durchwursteln“ in der „Euro-Krise“ müsse Schluss sein, ruft der (amerikanische) Weltbankchef Zoellick. Zuvor hatte Präsident Obama beim G-20-Gipfel mit Ermahnungen erstaunt.
Er tat in Cannes, als erlebten wir seit 2007 eine europäische, nicht die seit
1929 zweite Finanzkrise, die Amerika den Völkern der Welt beschert, basierend
auf Jahrzehnten stabilitätsfeindlicher Misswirtschaft. Da findet Luxemburgs Premierminister
Juncker, Chef der Euro-Gruppe in der EU, in New York wie London ungenügend Gehör mit der simplen Wahrheit, der Euro sei gar nicht in der Krise. Die angelsächsische Welt aber hofft, die Konkurrenzwährung zum US-Dollar doch noch loszuwerden. Dessen Wege aber wird der € nicht gehen.

Frontal geht es den $-Matadoren gegen die Euro-Stabilitätsmatadoren Deutschland – auch Frankreich. Ein Skandal, dass Standard & Poor`s die französische Wirtschaft erst von der Bestwertmarke „AAA“ hinunterstufte, um das dann als „Irrtum“ abzutun. Entweder sind diese US-Ratingleute leichtfertig, oder sie erledigten einen diskreten Auftrag. Dazu würde ein Tiefschlag gegen deutsche Euro Stabilitätsbemühungen passen, den in Texas vor Wochen das „Stratfor“-Institut tat: Zu „deutschen Wirtschaftskolonien“ würden die €-Staaten. Das griff Londons „Daily Mail“ auf. Zum Kolonisieren „hätte man früher einen militärischen Überfall gebraucht“. Von einem „Gauleiter“ redet das Blatt, der die Welt zum Sparen zwinge (zitiert in BILD-Online, 9.11.). Wie not es tut, zeigt die EU:“Ausgabekontrollen nur bedingt wirksam“.

Der € ist stark – im Vergleich

Sachliches sagte Luxemburgs Premier, den wir oben zitieren, zum krisenfreien Euro. Der Wechselkurs sei so stabil wie seine Binnenkaufkraft: 1,97 Prozent Entwertung im Jahresschnitt seit Einführung 1999. In den USA lag das Inflationsmittel in dem Zeitraum bei jährlich 3,1 Prozent („US Inflation Calculator“), das britische bei 2,73 (Bank of England). Griechenlands neuer Ministerpräsident Papademos wird, weil er
für Stabilität anstelle monetärer Leichtfertigkeit steht, bereits als „Merkelmann“ gescholten. Zoellick verwundert die Euro- und EU-Länder mit seiner Kritik, weil sie zur Stabilisierung der Gemeinschaftswährung Zeit brauchen. Die Euro-Weltwährung, die zusehends die Währungsreserven – anstelle des US-Dollar – z.B. in Peking, Moskau, Delhi und Brasilia bildet, tragen 17 bzw. 27 Staaten. Da kosten Entscheidungen  schon mal Zeit. Etwa vergessen? – In Washington ringen seit Monaten nur 12 Senatoren (sechs aus jeder der beiden grossen Kongressparteien) um Amerikas Ausgabensenkung, zum Abbau noch nie erlebter Staatsverschuldung – bisher aber vergebens.

Denn die USA müssen sich von ihrer Misswirtschaft verabschieden, die Sachkenner seit einem halben Jahrhundert für unverantwortbar halten. Kurt Richebächer, einst Generalbevollmächtigter einer deutschen Grossbank, erwähnte es Ende der 1960er Jahre im Gespräch mit mir. Während in Europa zwischen 5 und 14 Prozent des jährlich Erarbeiteten auf die „hohe Kante“ kamen, lag die US-Ersparnisquote schon damals zwischen null und 1 Prozent. Richebächer (er starb 2007) sprach 2004 von den USA als einer „kranken, kaputt gemachten Volkswirtschaft“, wo viel zu viel konsumiert und bei weitem  zu wenig investiert wurde. Eine Konsequenz waren weltweit in der Qualtität unterlegene US-Produkte wie Stahl, Autos, Maschinen. Das sorgte schon in den 1970ern zu immer neuem Handelsstreit der USA mit der EU.

Kassandra Richebächer ungehört

„Horrende Schuldenberge“ für „überwuchernde Konsumausgaben“ und grassierende Spekulationswetten von Finanzmärkte-Abenteurern griffen in Amerika bereits seit langen seit Jahrzehnten um sich. Als Richebächer seine Bank verliess, kam der spätere US-Notenbankchef Paul Volcker eigens nach Frankfurt
zur Verabschiedung und witzelte:“Eine Hauptbeschäftigung für Notenbanker ist es wohl zu beweisen, dass Richebächer nicht recht hat.“ Das war vor rund 40 Jahren. Inzwischen weiss man: Er sagte die Wahrheit.

Das US-Finanzsystem kann kein Beispiel für die neue Euro-Welt sein. Auch nicht, wenn Amerikas Wirtschaftswissenschafts-Nobelpreisträger Krugman soeben empfiehlt, auch Europa
möge die Notenpresse ankurbeln. Arche-typisch eben.
 

Posted in Europa: unsere Zukunft, Stabilität heisst "Sozialer" Markt, Tacheles.


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