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Frühlingserwachen im Herbst – dank Polen

Ein proeuropäisches Signal hat das Volk der 38 Millionen Polen der krisengeprüften EU regelrecht in die Ohren geblasen mit der Wahl des Präsidenten Komorowski am letzten Sonntag. Europa stehen bessere Zeiten bevor. Vier Stichworte zum erwarteten Frühlingserwachen im kommenden Herbst.

 

(1) Ist mit dem neuen Staatsoberhaupt Polens gesamte Regierungsspitze (getragen vom Ministerpräsidenten Tusk) proeuropäisch; (2) verliert die Gruppe an der EU nur geschäftlich interessierter Mitgliedstaaten – Anti-Europäer inklusive  (die die Epoche nicht begreifen) – ihren bislang durchaus tonangebenden Partner Polen; 3. hat das Land zwischen Oder und Weichsel Einfluss dank seines Gewichts – nicht nur als eines der sechs „grösseren“ Mitgliedsländer, sondern als einziger von 27 EU-Staaten, der die Weltkrise mit 1,7 % Wirtschaftswachstum (2009) überstand; 4. sucht Warschau seinen Einfluss zu mehren durch volle Mitwirkung im „Weimarer Dreieck“, das es seit 1991 mit Frankreich und Deutschland bildet.

Aus dem (deutsch-französischen) „Duo für Europa“ wird das „Trio“ mit Polen. Frankreichs Präsident Sarkozy erwartet, dass Warschau nun seine „Rolle in Europa festigt“. Die Staatsministerin im Berliner Aussenamt Pieper sagte (5.7.) dem Deutschlandfunk:“Wir wollen gemeinsam Europa gestalten – auch ein Thema der östlichen Partnerschaft, gerade der Beziehungen zu Russland, die sich ja – erfreulicherweise für Europa – auch dank der Initiative Polens sehr positiv entwickeln.“ Das erlaubte eben erst, zum Pariser Aussenministertreffen des „Weimarer Dreiecks“ erstmals den russischen Ressortchef Lawrow zu bitten.

Zur EU-Anbindung des 2004 beigetretenen Polen steht die ganze deutsch-französische Aussöhnung Pate. Das Deutsch-Polnische Jugendwerk wird dem der Franzosen und Deutschen (DFJW) nachgebildet, ohne dessen Dimension bereits zu erreichen (DFJW-Haushalt 2010: 20,8 Millionen Euro, pro Jahr 200 000 Teilnehmer aus beiden Ländern in 11 000 Begegnungen – 8 Millionen junge Deutsche und Franzosen miteinander seit Gründung 1963). Zwei deutsch-französische Geschichtsbücher für die Schulen gibt es: das erste deutsch-polnische ist in Arbeit.

Deutsche Bank Research (5. Juli 2010) zeigt, dass mit Polen ein sehr viel versprechender Wirtschaftspartner in die EU gekommen ist, gewichtig also auch in der künftigen europäischen Politik. Ökonomisch und gesellschaftlich zählt vor allem der – emsige und risikobereite – „Mikro“-Mittelstand – bis zu neun Mitarbeiter. Mit erst 2,6 % aller Firmen wachsen mittelständische Unternehmen etwas grösseren Zuschnitts heran (über 50 Mitarbeiter). Der gesamte Mittelstand erwirtschaftete 2009 mit 48 % fast die Hälfte des BIP. Noch sind die zehn grössten Exporteure polnische Töchter ausländischer Firmen. Schon 2009 lieferten Polens kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein Drittel aller Waren- und Dienstleistungsexporte.

Die Unternehmensberater A.T. Kearney geben dem Land im Weltvergleich die Nummer 6 unter den „attraktiven“ Investitionsstandorten (Deutschland: Nr. 5). Niedrige Löhne und Steuervergünstigungen, immer öfter aber die (langsam) entstehende Kaufkraft von 38 Millionen „Menschen im Aufschwung“ veranlassen Ausländer, in Polen zu investieren: 2009 kamen 8,4 Milliarden Euro Direktinvestitionen (krisenbedingt 10 % weniger als 2008). „Interessante“ Steuerbedingungen locken in Polens 14 „Sonderwirtschaftszonen“ – ebenso wie 67 Milliarden Euro EU-Fördergelder, die Brüssel für 2007 bis 2013 zugesagt hat.

Stetig europa-mäkelnden Deutschen darf es zu denken geben, dass ein so hoch entwickelter Mittelstand wie in Deutschland ganz ausserordentliche Chancen hat, in Zusammenarbeit mit Polens KMU (“Motor” der polnischen Wirtschaft, sagt Deutsche Bank Research) selbst erklassige Geschäfte zu machen. In einem Land, das vor der Krise (2008) noch 5,3 % Wachstum schaffte – Spitzenwert in Europa. 2008 stieg der deutsch-polnische Handel auf 66,4 Milliarden Euro, um im Krisenjahr 09 auf immer noch stolze 54,4 Mrd. zurückzugehen.

Arbeit suchende deutsche Fachkräfte kann es interessieren, dass zwar die Ausbildung in Polen gut ist, Fachkräfte aber fehlen. Nur Polnisch sollten die (jüngeren) Herren oder Damen dann so lernen, wie es hierzulande von allen Zuwanderern (zu Recht) erwartet wird.

Posted in Berlin-Paris: Europas Motor, EU-Russland: unser Schicksal.


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