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Gratulation, Monsieur Sarkozy!

Ihre Rede in Davos gehört ins Unterrichtspensum jeder Business School

Die Kälte, die Frankreichs Präsidenten gestern in der Davoser WEF-Runde entgegenschlug, weckt Ängste. 2 500 Spitzenleute aus der noch immer “westlich” orientierten Weltwirtschaft und -politik begreifen Sarkozys Warnungen mehrheitlich nicht. Dabei ist der Kapitalismus angelsächsisch-verblendeter Gewinnfixierung in Europa längst ohne Mehrheit. Heute (16 Uhr 42) publizierte die Süddeutsche Zeitung-Online meinen Kommentar. Bitte lesen SIE auch, was weiter unten folgt: Neuer Kapitalismus ins Angebot und zur Götzendämmerung unserer Eliten.

Eine Hoffnung der Finanzmarktakteure liess Deutsche-Bank-Chef Ackermann hören: Nur wenn alle Staaten die Regulierungen akzeptieren, sei das weltweit vollziehbar. Da erwarten die Finanzmärkte das Ausbleiben strenger Regeln, weil nicht alle mitmachen.

Doch formiert sich die Front: Die EU als kaufkraftstärkste Macht der Erde packt es an. China und Russland werden vom Brutalo- zum Kapitalismus mit Kandare übergehen, sonst droht soziale Unrast wie in Indien. Amerikas Obama will den anderen Kapitalismus – gegen seine “Interessentenhaufen” (Ludwig Erhard). Schafft er das?

Ohne fairen Euro-Kaptalismus fliegen recht bald sozialpolitisch die Fetzen. Der Konservative Sarkozy will die EU-Aktion dagegen. Ist sie einig, ist sie Weltmacht. Die Abstimmung Paris-Berlin wird dazu unerlässlich. Es ist „kurz vor 12“. Die nächste Systemkrise könnten neue Staatsbillionen nicht mehr entschärfen. Denn keiner hat sie noch. Guter Rat wird da sehr – sehr teuer für die Mächtigen von heute. Statt 3,7 – 7 Mio. deutsche Arbeitslose?

Zur Unanständigkeit des Systems hat ERZBISCHOF MARX der Süddeutschen Zeitung (27.1.) alles Nötige gesagt. Keine westliche “Wertegemeinschaft” erträgt das noch lange. Auch nicht die NATO, die im Vertragsartikel 2 sozialen Anstand proklamiert. Westliche Führungseliten aber belassen es beim stumpfen Gegenhalten. Ihr neu belebtes “business as usual” mit neuen Milliardengewinnen ist die politische Einfalt aus Fleisch und Blut.

Dass man mit altem Personal ein System erneuert, bezweifelte Einstein schon – für die Wissenschaft. Für die Wirtschafts-, also Gesellschaftspolitik könnte es anders stehen, wäre da nicht die Unbelehrbarkeit von Altakteuren.

Ohne den kontinental-europäisch reformierten Kapitalismus “Sozialer” Marktwirtschaft werden die Völker das System irgendwann beseitigen. Friedlich wie 1989 in Leipzig oder anders wie in Paris 200 Jahre eher. Die Guillotine hatte damals übrigens ein Deutscher namens Schmidt erfunden.

Das Ende des Kapitalismus bliebe bedauerlich, weil kein brauchbareres Wirtschaftsverfahren bekannt ist. Sein Personal sollte auf Allgemeinwohl umlernen. Die Sarkozyrede gehört ins Unterrichtspensum jeder Business School.

Posted in Berlin-Paris: Europas Motor.


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